Bildhauerin DORIS SOLENTHALER

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doris solenthaler logo Kunst aus Stein – Gedankenwelten in der Formensprache.

Gestaltung Kindergrabfeld

Meine Arbeit ist vielseitig. Das schätze ich. Ein Auftrag war kürzlich die Gestaltung eines Kindergrabfeldes auf dem Friedhof Windisch. Gemäss Masterplan sollte es ein Ort für Kindergräber mit verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten werden. Vorgesehen waren Plätze für Erdbestattungen, ein Urnengemeinschaftsgrab sowie eine Grabstätte für früh verlorene Kinder. Dass die Gemeinde Windisch die Möglichkeit bietet, Kinder an einem eigens für sie geschaffenen Ort zu beerdigen, ist ein ausgesprochen würdiger und wertschätzender Umgang mit den jüngsten Mitgliedern unserer Gesellschaft.
Kind und Grab in einem Wort lässt die emotionale Seite dieser Aufgabe erahnen. Mit Kindern bringe ich Spiel, Spass, Bewegung und Fröhlichkeit in Verbindung. Und weil dies alles so gar nicht zu Tod, Trauer und Friedhof passen will, sollte bei diesem Grabfeld die kindliche Unbeschwertheit trotz allem zum Ausdruck kommen. Ich wollte, dass die Eltern ihre Kinder an einem Ort wissen, der ihrem Alter und Wesen entspricht. Manchmal kommen auch Schüler auf ihrem Weg zum angrenzenden Schulhaus hier vorbei. Das finde ich schön.
Unter dem alles überragenden und beschützenden Ahorn schien mir der richtige Platz für das Urnengemeinschaftsgrab und das Grabzeichen früh verlorener Kinder.
Für diese Arbeit wählte ich hellen Cristallina-Marmor aus dem Maggiatal und Chromstahl.
Das Urnengemeinschaftsgrab ist ein Band aus 15 Einzelsteinen. Jeder mit einem, in Chromstahl gravierten Abschnitt einer Blütengirlande. Wird ein Kind beigesetzt, entferne ich die Chromstahlplatte und befestige sie auf dem Deckel einer Holzschachtel. Ich wende den Stein und graviere den Namen des Kindes. Die Holzschachtel erhalten die Eltern bei der Bestattung. Sie können darin Erinnerungsstücke ihres verstorbenen Kindes aufbewahren. Von dem Ort wo sie ihr Kind zurücklassen, nehmen sie wieder etwas mit nach Hause.
Für das Grab der früh verlorenen Kinder gestaltete ich drei verschieden grosse, linsenförmige Steine. Darauf sind herausgearbeitete Blütenformen verteilt. So als wären sie vom Baum gefallen. Für ihr früh verlorenes Kind, dessen Asche hier beigesetzt wird, können die Eltern eine der Blüten auswählen. Diese wird dann mit einer Chromstahlintarsie ausgelegt. So erhält das kleine Wesen, auch wenn es nie gelebt hat, ein für alle sichtbares Zeichen.
Mir war wichtig, dass bei beiden Grabstätten Geben und Erhalten zu Handlungen werden, die den schmerzvollen Prozess des Loslassens sinnvoll begleiten.


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